Morias Enkomion

Komponist: Schrijvers Geert
Gattung: Solo für Klavier und Blasorchester
Schwierigkeit: D
Dauer: 12:00 Minuten
Besetzung: Blasorchester

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Die Komposition Morias Enkomion ist inspiriert von dem gleichnamigen Buch des mittelalterlichen Humanisten Desiderius Erasmus, das im Deutschen besser unter dem Titel Lob der Torheit bekannt ist. In diesem Werk hält die Göttin Torheit eine Lobrede auf sich selbst, in der sie ihre eigenen Eigenschaften als Verdienste darstellt. Erasmus setzt dabei gewissermaßen die Narrenkappe auf, um scharfe Kritik an Kreisen zu üben, die er aus eigener Erfahrung kannte: Theologen, Geistliche, Fürsten und Politiker. Aus der Perspektive eines Außenseiters erwies er sich als außerordentlich scharfsinniger Beobachter.
 
In Morias Enkomion fällt diese beobachtende Rolle dem Klavier zu – einem Instrument, das nicht zur üblichen Besetzung eines Blasorchesters gehört und sich daher besonders dazu eignet, auf die Klänge des Orchesters zu reagieren, sie zu provozieren oder vorwegzunehmen. In der Gestalt der Göttin Torheit ist das Klavier in der Lage zu reflektieren, zu kritisieren und Spott zu treiben.
 
Neben Erasmus’ Buch war auch die gesellschaftliche Situation während der Corona-Pandemie eine wichtige Quelle der Reflexion und Inspiration. Begriffe wie Impfgegner, Verschwörungstheorien, Lockdowns und Booster-Impfungen wurden in einer beunruhigenden Art von Stellungskrieg eingesetzt, in dem die Schwachstellen der Gesellschaft offen zutage traten und eine zunehmende Polarisierung sichtbar wurde. Wie in Erasmus’ Buch kommt in Morias Enkomion erneut die Torheit zu Wort – verkörpert durch das Klavier. Sie beschreibt die bizarre Lage, in der wir uns befinden.
 
Im Orchester erklingt ein polternder Politiker mit aberwitzigen Ideen, dargestellt durch die Bassposaune. Daneben erscheint eine sarabandenartige Melodie, die uns vertraut vorkommt, sich jedoch ständig verändert. Sie steht für die Entfremdung von Menschen, die wir einst schätzten und liebten, die wir jedoch aufgrund radikalisierender Ideologien nicht mehr wiedererkennen. Der Vormarsch der Polarisierung und die Angst vor Eskalation werden durch einen militärischen Marsch hörbar, der sich in immer höherem Tempo zunehmend der Kontrolle entzieht.
 
All diese Elemente werden vom Klavier beobachtet, beschrieben, verspottet und beklagt, während es versucht, sich in diesem Gefüge zu behaupten und Gehör zu finden. Mitunter scheint es voller Abscheu, Trauer oder Ungläubigkeit den Kopf zu schütteln, sodass die Glöckchen an seiner Narrenkappe erklingen. Das kurze „Sleepout“-Motiv, das in verschiedenen Gestalten wiederkehrt, macht deutlich, dass milder Spott uns manchmal erst zur Selbstreflexion und Einsicht führt.

Artikel-Nr.: 312362
185,30