Komponiert für das Emotion Wind Orchestra in St. Gallen (Schweiz) im Jahr 2024, ist dieses Werk eine Hommage an die Stiftskirche St. Gallen und das tiefgreifende kulturelle Erbe, das sie über Jahrhunderte hinweg bewahrt und weitergetragen hat.
1. Leuchtfeuer der Zeit Der Text des ersten Satzes stammt vom heutigen Bischof des Bistums St. Gallen, Monsignore Beat Grögli. Am Ende des Satzes erklingt das Galluslied, vorgetragen von der Solosopranistin (oder alternativ der Piccoloflöte). Dieses historische Lied bildet das thematische Fundament der gesamten Komposition. Der Satz würdigt die Kathedrale St. Gallen als geistliches Leuchtfeuer, das den Lauf der Zeit überdauert hat und seit 1767 ein prägendes Wahrzeichen der Stadt ist.
2. Glocken über der Stadt Dieser Satz ist ausschliesslich für Blechbläser und Schlagwerk geschrieben. Er fängt den Klang der Kirchenglocken ein, die über St. Gallen hinweg erklingen. Übereinandergeschichtete Klangflächen und sich überlagernde rhythmische Strukturen ahmen das Zusammenspiel der verschiedenen Glockentürme nach und zeichnen ein klangliches Porträt einer Stadt, die von ihrer sakralen Architektur geprägt ist.
3. Gebete in der Nacht Ausgehend von einem gregorianischen Choral, der in der weltberühmten Stiftsbibliothek St. Gallen überliefert ist, erinnert dieser Satz an die Mönche, die einst im Kloster lebten und Tag und Nacht ihre Gebete sangen. Die Musik eröffnet einen Einblick in ihre besinnliche Welt des Gebets und der Liturgie, die dem heiligen Gallus gewidmet ist.
4. Die antike Bibliothek Die Stiftsbibliothek gehört zu den bedeutendsten und kostbarsten mittelalterlichen Bibliotheken der Welt. Dieser Satz versucht, ihre einzigartige Atmosphäre stiller Ehrfurcht einzufangen: Regale voller jahrhundertealter Handschriften, die Geschichte atmen, und das Gefühl, dass unzählige Geschichten, Erinnerungen und Geheimnisse zwischen ihren Seiten verborgen ruhen.
5. Sünden und Kriege Im starken Kontrast zu den vorherigen Sätzen richtet sich der Blick hier auf die bewegten Kapitel der Geschichte der katholischen Kirche. Jahrhunderte voller Konflikte, Verfehlungen und Gewalt, die im Namen des Glaubens ausgeübt wurden, prägen diesen Satz. Mit roher Energie und kompromissloser musikalischer Sprache setzt sich die Musik mit diesem dunklen Erbe auseinander.
6. Hymne an den Himmel Der Schlusssatz vereint die musikalischen Fäden des gesamten Werkes. Das Hauptthema entfaltet sich, während Motive aus den vorangegangenen Sätzen wie Erinnerungen wiederkehren. Den Höhepunkt bildet eine strahlende Bekräftigung des Gallusliedes, zunächst von der Solosopranistin vorgetragen und anschliessend vom gesamten Ensemble aufgenommen, wodurch der Zyklus zu einem kraftvollen und erhebenden Abschluss gelangt.